Die Ausbildung verhalf mir zur Entwicklung ...

Bestimmt ist es bei mir wie bei ganz vielen gewesen. Ich wusste nach meinem Realschulabschluss nicht, was ich machen wollte. In mir war der Wunsch, dass ich mich nicht in eine Struktur pressen lassen möchte. Und etwas mit Natur wäre schön. Vielleicht könnte Fischer etwas für mich sein.

Da alles so unsicher war, wollte ich mir etwas Zeit verschaffen. In Neu-Ulm besuchte ich die Fachoberschule und erreichte nicht nur dadurch mein Fachabi, sondern auch noch zwei zusätzliche Jahre zum Überlegen. Das war gut so. Denn auf dem Lehrplan standen auch einige Monate Praktikum in der schulinternen Metall- und Elektrowerkstatt an. Die „Metall-Wochen“ waren die besten für mich. Ich wusste gar nicht, wie sehr mir das Material Metall gefällt und was man alles interessantes damit machen kann.

Jetzt wusste ich, wie ich weiter machen wollte: Mit einer Ausbildung zum Metallbauer. Was läge eigentlich näher, als diese dann auch im väterlichen Betrieb zu machen. Aber so einfach ist das nicht. Ich wollte nicht „der Sohn vom Chef“ sein, sondern einfach nur „der Lukas“, einer von allen.

Das wurde mir hier sehr leicht gemacht. Schon vom ersten Tag an gehörte ich zum Team. Alles wird super erklärt und keiner schaut schief, wenn man für einen Gedanken mal länger braucht, bis man ihn versteht. Oder den Taschenrechner nehmen muss, um kleine Zahlen zusammen zu zählen.

Den Umgang untereinander schätze ich hier ganz besonders, denn es ist völlig egal, wie alt du bist oder welche Hautfarbe dein Gegenüber hier hat, alle sind gleich und werden mit Respekt behandelt.

Die ganze Schulzeit lebt man mit dem „Schubladendenken“, dass man Spaß nur mit Gleichaltrigen haben kann. Dass es die Gruppe „wir“, die Gruppe „Lehrer“ und dann halt die „Anderen“ (die Älteren, die Eltern … ) gibt. Und lustig kann es nur in der eigenen Gruppe sein.

Hier habe ich feststellen dürfen, dass wenn mein älterer Kollege, der gerade mit mir an der gleichen Maschine oder am gleichen Arbeitsschritt arbeitet, auf meiner Wellenlänge ist, man mit ihm genauso viel Spaß haben kann, wie mit meinem Kumpel abends beim Dart-Spielen.

Wenn man mich heute fragen würde, was mir die Ausbildung hier gebracht hat, würde ich auf jeden Fall sagen, dass sie mich hat erwachsen werden lassen. Die tägliche Routine, die Anforderung, etwas „abliefern“ zu müssen, das hat mir einen anderen Blickwinkel gegeben. Sich bewusst sein, dass das was man gerade tut, wichtig für meinen Kollegen, für die Abteilung, für meinen Chef und für das Unternehmen ist, gibt mir ein gutes Gefühl. Manchmal sage ich im Spaß: „Man muss sich wie ein Fenster fühlen“, dann versteht man auch, was gerade zu tun ist …

In der Berufsschule sprechen wir natürlich auch über unsere Ausbildungsbetriebe. Es macht mich schon stolz, wenn z. B. mein Banknachbar zu seinem Ausbilder geht und auch das digitale Berichtsheft haben möchte, das bei uns schon seit einiger Zeit genutzt wird. Oder wenn die Schulkameraden erzählen, dass sie nur bestimmte Arbeiten im Betrieb ausführen dürfen. Das ist bei uns hier ganz anders.

Ich möchte gerne noch mehr über den großen Bereich Bauwesen, Energie und Betriebswirtschaft lernen. Nach meiner Abschlussprüfung diesen Sommer werde ich zum Wintersemester an die HBC Hochschule Biberach wechseln. Der Studiengang Bau-Projektmanagement beschäftigt sich auch mit dem Building Information Modelling (BIM), der Digitalisierung der Baubranche. Bin gespannt, was sich in Bezug auf neue Technologien und Entwicklung in den nächsten Jahren auf dem Markt tut.

Den Betrieb Wölz, der von meinem Großvater vor 45 Jahren gegründet wurde und nun schon viele Jahre von meinem Vater geleitet wird, hat schon vieles erlebt. Aber ich denke, es ist egal, ob man einen kleinen Hügel oder einen großen Hügel vor sich hat, erklimmen muss man jeden von ihnen. Wichtig ist, dass man zuversichtlich bleibt und an das Team, also die ganze Mannschaft, glaubt.

Lukas Wölz